Uniklinika Marburg/Giessen

Die Übernahme der Unikliniken Gießen und Marburg durch die Rhön AG


Die Rhön AG hat ihren Ursprung in der Rhön-Klinikum GmbH, die 1973 in Neustadt a.d. Saale gegründet wurde. Seit 1974 hatte zunächst Eugen Münch die alleinige Geschäftsführung. Bis heute hält die Familie Münch 12% der Rhön-Aktien. Das Credo des Unternehmers ist: "Ein Krankenhaus sollte wie eine Automobilfabrik funktionieren." Mit dem Gang an die Börse 1988 war die Rhön AG der erste börsennotierter Klinikkonzern in Deutschland. In den nächsten Jahren breitete sich das Unternehmen aus und besitzt heute über 50 Kliniken mit ca. 15 000 Betten in ganz Deutschland. Bekannt wurde die Rhön AG als Käufer des Uniklinikums Gießen und Marburg. Aktuell ist Wolfgang Pföhler Vorstandsvorsitzender.

Erste Überlegungen zur Privatisierung der Unikliniken wurden bereits 2004 angestellt. Trotz massiver Proteste von Mitarbeitern und Bürgerinnitiativen und Bedenken von externen Gutachtern bahnte der hessische Landtag auf Betreiben der CDU-Fraktion in den nächsten Monaten den Weg für den Verkauf: Im Sommer 2005 wurde im hessischen Landtag die Zusammenführung der bis dahin unabhängigen Uni-Kliniken in Gießen und Marburg beschlossen und im Januar 2006 entstand die Uniklinikum Gießen und Marburg GmbH (UKGM). Am 31.01.06 beschloss dann der hessische Landtag mit den Stimmen von CDU und FDP den Verkauf von 95 Prozent der Geschäftsanteile an die Rhön AG. Eine Klage der Mitbewerber Asklepios und Helios, die sich im Ausschreibungsverfahren übervorteilt fühlten, blieb erfolglos. Beide Klinikstandorte hatten zum Zeitpunkt des Verkaufes einen geschätzten Verkehrswert von 700 bis 1000 Mio. €. Die Rhön AG zahlte allerdings nur 112 Mio. €, von denen das Land Hessen postwendend 100 Mio. € zur Förderung von Forschung und Lehre am UKGM stiftete. Unterm Strich erbrachte der Verkauf der Kliniken also nur 12 Mio. €. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die Rhön AG vertraglich nicht verpflichtet wurde, am Uniklinikum Forschung und Lehre sicherzustellen. Die hessische Landesregierung rechtfertigte den niedrigen Kaufpreis damit, dass sich die Rhön AG zu Investitionen von 367 Mio € in den nächsten Jahren verpflichtet habe. Hierzu äußerte ein Leser in der Oberhessischen Presse treffend:

"Roland Koch rechtfertigt diesen - im Hinblick auf den tatsächlichen Wert der riesigen Immobilie und der vorhandenen technischen Ausstattung - lächerlichen Preis mit dem Hinweis, der neue Eigentümer wolle doch anschließend Investitionen in Millionenhöhe tatigen. Was für ein volksverdummendes Argument! Welcher vernünftige Mensch, der sein Anwesen verkaufen will, geht bei der Festsetzung der Preises schon davon aus, was der potenzielle Käufer eventuell für Um- und Ausbau investieren will [...]."