An der Uni Gießen liegen die Prüfungsergebnisse von Medzinstudent*innen sei Jahren deutlich unter dem bundesdeutschen Durchschnitt (2018 fielen 20% der angehenden Mediziner*innen bei der Zwischenprüfung durch, bundesweit 9,3%). Am Marburger Fachbereich Medizin war die Durchfallqote mit 12,6% ebenfalls unterdurchschnittlich. Während Kritiker einen Zusammenhang mit der Privatisierung des UKGM sehen, betont der Fachbereich Medizin der Universität Gießen die Qualität der Medizinerausbildung sei gut, man müsse lediglich die Vorbereitung auf die Prüfungen optimieren. Hiermit habe man den externen Dienstleister MediLearn beauftragt. Der Marburger ASTA, leitende Ärzte des UKGM und NotRuf113 weisen hingegen seit Jahren daraufhin, dass der erhöhte Leistungsdruck am UKGM dazu führe, dass Ärzt*innen keine Zeit mehr zur Ausbildung des Medizinernachwuchses haben. Dieser Leistungsdruck sei direkte Folge der Privatisierung, da der Klinikbetreiber RhönAG hohe Renditen erwarte. Die Gewinnerwartungen führen zu hohem Druck auf die Mitarbeiter*innen, mehr Patient*innen zu behandeln und es bleibe keine Zeit für die Ausbildung der Mediziner*innen.

Der Wissenschaftsrat wurde von der hessischen Landesregierung 2009 mitb der Überprüfung der Folgen der Privatisierung beauftragt, kam aber zu keinem klaren Ergebnis und empfahl eine erneute Überprüfung für 2014. Bis heute hat die Landesregierung keinen Anlass gesehen, Wissenschaft und Lehre am ersten deutschen Uniklinikum nach einem aussagekräftoigen Zeitraum auf den Prüfstand zu stellen. Nun ist die neue Wissenschaftsministern Angela Dorn (Grüne) gefragt. Die Marburgerin hat die Entwicklung seit der Privatisierung kritisch begleitet und hat nun die Möglichkeit, eine realistische Beurteilung der Privatisierungsfolgen am UKGM zu unterstützen.