Sehr geehrte Damen und Herren,

Im Januar dieses Jahres haben das Land Hessen und das UKGM eine „gemeinsame Vereinbarung“ zur dauernden Zusammenarbeit abgeschlossen. Weder das Land noch Rhön haben etwas davon realisiert. Nun will Herr Münch, der Hauptaktionär und Vorsitzende des Aufsichtsrats der Rhön-Klinikum AG, sogar 43 von über 50 Rhön-Krankenhäusern an den Fresenius-Konzern verkaufen. Falls das kommt, ist das UKGM nur noch eines von zehn Krankenhäusern an fünf Standorten. Mit mehr als der Hälfte des Umsatzes wäre es in dem verkleinerten Rhön-Konzern das größte, aber auch das renditeschwächste. Es hat nämlich ein „strukturelles Defizit“ und befindet sich deshalb in einem „Restrukturierungsprozess“. Da die anderen drei Standorte dieses Defizit nicht ausgleichen können, müsste die „Restrukturierung“ des UKGM mit dem Ziel der Renditesteigerung unbedingt vorangetrieben werden.

Nach welchem Konzept Herr Münch das betreiben will, hat er in einem öffentlichen Interview im November offen dargestellt. Diagnosen sind für ihn „Fehleranalysen“. „Auch wenn der Vergleich vielen nicht gefallen wird – nehmen Sie mal ein Auto“. Wir müssen „automatisieren, wo es geht“. Denn „Das Gesundheitswesen in Deutschland ist gefährdet“, „die Politik hat nicht das große Ganze im Blick“. Und „mich nervt dieses Klein-Klein“. Aber „jetzt kann ich endlich meine großen Pläne vorantreiben“. Dabei sind die „großen Pläne“ folgende: „Hin zu mehr privatem Kapital im Gesundheitswesen,“ und „eine Zusatzversicherung, die den Kassenpatienten eine bessere Behandlung garantiert“, also die gewollte Zwei-Klassen-Medizin. Und das mit großer Entschlossenheit: „Freiwillig ziehe ich mich nicht zurück“, „ein paar Opponenten, die ….in der Minderheit sind, interessieren mich nicht“, „ich lasse mich nicht von meinem Weg abbringen“.

Herr Münch ist überheblich gegenüber der Politik. Das Abgleichen zwischen Allgemeininteresse und Einzelinteressen ist wertvolle und keine einfache Arbeit. Und er ist blind gegenüber dem, was Menschen im Krankenhaus an Menschen tun. Das ist Schwerstarbeit angesichts von Krankheit, Leiden, Angst und Tod. Der Mensch ist kein Auto. Münchs Konzept ist ein Konzept der Mißachtung. Das gnadenlose Verfälschen eines Krankenhauses zu einer Art von Fabrik würde weitergehen – gegen die Berufsethik der Mitarbeiter, zu deren Lasten und notwendigerweise zuletzt zu Lasten der Patienten. Kann die neue Hessische Landesregierung weiter zulassen, dass ein Universitätskrankenhaus, das Standards für andere setzt, nach einem solchen Konzept geführt wird? Nach dieser Selbstdarstellung von Herrn Münch kann niemand mehr sagen, er habe es nicht gewußt, auch die neue hessische Landesregierung nicht. (Ausführlicher Bericht über das Interview unter http://notruf113.blog.de).