Nach dem gescheiterten Übernahmeversuch im vergangenen Jahr will der Medizin-Konzern Fresenius nun zur allgemeinen Überraschung 43 Krankenhäuser und 15 Medizinische Versorgungszentren von der Rhön-Klinikum AG kaufen. Sie sollen der zu Fresenius gehörigen Krankenhauskette Helios eingegliedert werden. Helios würde damit zum größten privaten Krankenhausanbieter, Rhön würde auf ein Drittel seiner Größe schrumpfen. Zu diesem restlichen Drittel gehört auch das Universitätsklinikum Gießen/Marburg, das von Fresenius nicht mitgekauft wird, außerdem Krankenhäuser in Bad Berka, Frankfurt/Oder und Bad Neustadt. Der Verkaufspreis beträgt 3,07 Milliarden Euro. 1,9 Milliarden davon sollen als Sonderdividende bei den Rhön-Aktionären ankommen, in was der Rest investiert wird, bleibt abzuwarten. Bezahlt wird mit geliehenem Geld. Helios erwartete bisher eine Rendite von 15 % und Abbau von Schulden in 5 Jahren. Auf den Mitarbeitern der verkauften Krankenhäuser, die dies letztlich zu erwirtschaften haben, lastet also ein erheblicher Druck.

In dem neuen, verkleinerten Rhön-Konzern würde das UKGM etwa die Hälfte des Umsatzes erwirtschaften. Es ist kaum vorstellbar, dass das vom UKGM bestätigte „strukturelle Defizit“ von Berka/Frankfurt/Neustadt aufgefangen werden kann. Auch hier steigt also der Druck auf die Mitarbeiter. Außerdem steigt der Druck auf das Land, dem UKGM weitere Investitionsmittel nachzuschießen. Darüberhinaus dürfte der jetzige Verkauf nicht der letzte Versuch sein, Rhön umzugestalten. Denn die Firma Braun Melsungen, ein Konkurrent von Fresenius, strebt eine Minderheitsbeteiligung von 25% an. Noch ist nichts entschieden, weil die Genehmigung des Bundeskartellamts aussteht. Wird sie aber erteilt, dann lässt sich folgendes Szenario nicht ausschließen: Weitere Teile der neuen Rhön werden verkauft, das UKGM bleibt übrig, weil auch Braun diesen Kostentreiber nicht haben will. Dann muss das Land das UKGM doch zurückkaufen, obwohl die CDU-Regierung gehofft hatte, diese Sorge loszuwerden. Aber eines lässt sich jetzt schon mit Sicherheit sagen: Die Verbesserung der medizinischen Versorgung ist das Letzte um das es hier geht. Der wachsende Druck auf die Mitarbeiter, insbesondere die der Pflege, muss sich unweigerlich auch auf die Patienten auswirken.